Der Fahrradsommer ist fast schon da: 63 km plus x und etwas mehr Wind

Der MTSV Selsingen hat zum Anradeln in unserem Landkreis eingeladen. Da es so nah ist, ist es quasi selbsttretend, dass wir mit dem Rad anfahren und kräftig mittreten. Denn es ist wieder Sommer! 

Der Winter war nun lang genug und auch kalt genug. Wir waren zur milden Sylvestertour in den Harburger Bergen , wir waren auf dem  eisigen Philosophenweg, wir waren bei den Bremer SixDays, trafen dort die Weserbergland-Randonneure und es es gab viel Spass beim Winterpokal. Schon Anfang März reiste der Audaxclub Schleswig-Holstein nach Sylt und der Endspurt-Hamburg radelte um den Schalsee. Auch wenn man im Nachbarkreis Stade schon am letzten Wochenende die „Niedersächsische Milchstraße“ ein-getreten hat, heute ist Samstag, der 31. April 2012 und auch heute beginnt der Rennradsommer im Landkreis Rotenburg/Wümme. Auch so ein klein wenig Wind wird uns daran nicht hindern. Pünktlich um 12.30 Uhr rolle ich in die Rue Gagel ein und erwarte all die Kameraden, die heute die gemeinsame, sanfte Anfahrt nach Selsingen antreten wollen. Allein Heiko ist fertig und bei unserem Stopp an Rudis Tür kommen uns die Worte entgegen: „Es geht doch erst um 14.00 Uhr los, da brauchen wir jetzt doch noch nicht zu fahren.“ – Wozu gibt es nur eMails, Handys und überhaupt Absprachen? – Also rollen Heiko und ich dann eben alleine los ins „ferne“ Selsingen. Und weil es noch so früh ist, fahren wir zunächst einmal steif gegen den Wind über Ostereistedt und Rhade ins Moor der Kraniche. Der Wind raubt uns ganz schön viel Zeit, doch der urige Anblick ist wunderbar. Wie drehen sodann bei, über Heinrichsdorf nach Sandbostel. Nur noch einige Minuten bis zum Start um 14.00 Uhr, doch der Wind fegt uns via Ober-Ochtenhausen über den Asphalt und so treffen wir pünktlich am Selsinger Sportzentrum ein.

Die Kameraden sind zahlreich schon vor Ort, wenn auch zum Teil motorisiert angereist, aber sie sind dabei: Rainer, Steffen, Marinus und Dirk (heute mit Heimvorteil). Hugo und Marten tragen jeweils sehr individuelle, aber leide falsche Outfits. Joachim trifft erwartungsgemäß erst dann auf dem Parkplatz ein, als die Gruppe startet, aber er trägt bereits das richtige Trikot. Der MTSV hat heute Gäste aus Stade, Bargstedt, von den Ollannern, Bremervörde und bestimmt noch vielen anderen.

Gemeinsam rollt das Feld über die B71 in den Ortskern und eindrucksvoll am Rummel vor der Kirche vorbei. – Oh, im Gegenverkehr trifft ein abgehetzter Racing Rudi ein, der den Gegenwind doch wohl etwas unterschätzt hat und zudem das passende Outfit unter unpassender Zwiebellage verborgen hält.

Das Feld rollt und wir gelangen über Anderlingen, Heeslingen, Wiersdorf und Aspe nach Elsdorf. Dort entfällt die deftige Windunterstützung und das mit dem Wind vorangepeitschte Feld zerfällt jäh. Als ich voran mein Abdriften nach Wistedt bemerke, stelle ich fest, dass das zerklüftete Feld am Kreisel in Richtung Osenhorst gezogen ist , aber sehe einen HANSA-Piloten, der wieder gen Elsdorf kehrt. So wende ich und will zunächst noch dem Umkehrer  nachsetzen. Doch dieser ist mit dem Wind so schnell hinfort und das Feld enfernt sich gegen den Wind unaufhörlich. Erst kurz vor Wehldorf fange ich zwei abgeperlte Trauben des Feldes ein. Es sind der orange-leuchtende Hugo und ein übel wetternder Selsinger, der eigentlich ein sanftes Anradeln erwartet hatte. So versuche ich den beiden dann nützlich zu sein und ihnen steif gegen den Wind auf dem Radweg von Wehldorf nach Brüttendorf Windshield zu sein. Die Fitness ist bei beiden noch im Keller und so ist es sogar schwer, sie kontinuierlich an der Leine zu halten. Inzwischen erfahre ich, dass das Feld über Sick nach Winkeldorf durch den Schierk unterwegs ist, aber zu einer erneuten Umkehr ist es nun wohl wirklich zu spät. Hugo fährt am hiesigen Kreisel direkt nach Zeven hinein, während ich den Selsinger auf dem Radweg über die Umgehung zum Nord-West-Ring eskortiere. Über Godenstedt schleppe ich ihn bis zum Abzweig vom ehemaligen Tanklager, von wo er nun mit dem Wind über Eitzte abziehen kann. Selbst steuere ich nun mit etwas mehr Dampf über Ostereistedt nach Rhadereistedt und erblicke das Feld bei seiner Einfahrt in diesen Ort. Erneut wende ich also und setze nach. In der harten Anfahrt auf Rockstedt verliere ich jedoch das Feld in meinem Schlepptau. Es sind mir nur drei Radler bis in Rockstedt hinein gefolgt, die sich nun in Richtung Rhade verabschieden. Allein nehme ich nun wieder Kurs in Richtung Godenstedt auf  und werde leichtem Graupel überrascht. Als ich voran trete, rollt vom Tanklager her wieder das Feld herbei. Noch bevor wir allesamt nach Eitzmühlen eingebogen sind, wird der Graupel zum knackigen Hagelschauer. Doch das kleine Unwetter ist genau so schnell wieder vorbei, wie es herein gekommen war.

Von Lavenstedt geht es wieder hinaus an die Hauptstraße und gemeinsam mit Uwe gibt es ein knacke Zielfahrt via Granstedt. Das richtig Gute kommt aber erst: Die Selsinger Frauen habe Kuchen ohne Ende gebacken und der ist lecker ohne Ende. So sitzen wir also noch so einige entspannende Täschen Kaffee lang beisammen, bevor Heiko und ich den gemeinsamen Heimritt über Haaßel, Seedorf und Godenstedt antreten.