7-Night-Gravel – #1 to #7

Rennrad-Training unter der Woche stand zuletzt am 26. September auf dem Programm, denn es wird Abend für Abend immer früher dunkel. So findet das regelmäßige Training danach nur noch sonntags statt. Mit der Umstellung der Uhr auf die Winterzeit am 27.Oktober wird es dann mit einem Schlag gleich eine ganze Stunde früher dunkel. Dies ist in Zeven dann auch der offizielle Beginn der Geländesaison.

Aber jetzt kommt Licht ans Rad und zwar ans Geländerad. Das ist nun „richtiges Licht“, das dem Crosser oder dem Mountain Biker mit mindestens 60 Lux die Wege erhellt. Für Geländetouren in einer Hügellandschaft, in den Mittel- und Hochgebirgen ist das nix, aber in unserer recht flachen Region kann man damit prima klar kommen. Das Fahren verändert sich allerdings deutlich, denn eine großartige Wahrnehmung der Landschaft und den Blick an den Horizont, das gibt es nicht mehr. Die Augen fokussieren konzentriert den Weg und seine Beschaffenheit. Mit der Veränderung des Lichts geht auch eine völlig andere Einschätzung von Spurweiten, Kurvenbögen, Abständen und ganz besonders von gefahrenen oder noch zu fahrenden Streckenlängen einher. Wenn eine Runde tagsüber schon häufig gefahren wurde, bei der ersten Runde im dunkeln sieht das ganz anders aus. Wenn auch jeder für sich, sei es unter einem klaren Sternenhimmel oder mit dem richtigen Licht eine Geländerunde im dunkeln getreten sein mag, so wird er feststellen müssen, dass das Fahren in der Gruppe im dunkeln im Gelände noch einmal ganz anders ist.

#1 Ronolulu, 86 km, 23. Oktober 2019

Frank hat heute Mittag das Startzeichen gegeben: „Heute Abend Fahrradlampen testen!? Um 18.00Uhr Crosser oder MTB Tour! Wer ist dabei?“
Na klar,keine Frage, ich bin dabei: „Gute Idee!“

Fünf vor Sechs kommt Frank an den Start. Noch ist es richtig hell. Das Wetter ist ausgesprochen mild. Es ist mehr Spätsommer als Mitte Herbst. Hinein in die Pedale und hinein in den Düngel, auf in Richtung Twiste. Doch plötzlich schellt mein Telefon. Es ist Daniel. Er will uns begleiten und so fahren wir ihm auf kürzestem Wege entgegen. Gemeinsam fahren wir nun Links der Oste an den Track von Gravel-7 und wir fahren das Ende nun einmal wirklich so, wie es geplant war und tun das auch ohne einen Plattfuß. Wir sind heute es was flotter unterwegs, aber wir sind uns einig: Besonders das letzte Stück zum Hof hätte den Hamburger Jungs sicher richtig gut gefallen. Wir sind inzwischen gut warm geworden und streifen deshalb die Armlinge oder eine Regenjacke ab. Ziel unserer heutigen Tour soll der Bahnhof Rotenburg sein. Wir wollen für die lüttjen Hamburger Jungs und Deerns abgespeckte Gravel-Routen nach Zeven erkunden.
In Gyhum war es eben noch hell, aber Hesedorf verlassen wir nun in völliger Dunkelheit. Nach Querung der scheinbar endlosen Domäne Luhe erreichen wir Rotenburg und fertigen sogleich ein Etappen-Foto, um einmal kurz Luft holen zu können.

Nachfolgend tun wir uns bei der Ansteuerung des Bahnhofs etwas quer, aber wir kriegen auch das hin, ohne die Bundesstraße überqueren zu müssen. Die Retour verläuft zunächst etwas weiter westlich und bringt uns dann etwas ausschweifend durch das Hemelsmoor zurück auf den Ursprung und an den Start.
Das war ein gelungener Auftakt: Vier Stunden ge-gravelt, 86 Kilometer gekurbelt und dreifach Radspaß! Auf den letzten zwei Kilometern war Frank fix und alle, aber Dank sofortiger Kaffeegabe und Bananenhäppchen kommt er gleich wieder auf die Beine: „Das müssen wir nächste Woche nochmal machen!“

#2 Linnewedel und Ummel, 69 km, 29. Oktober 2019

Vor zwei Tagen wurde die Uhr umgestellt und so ist es um 18.00 Uhr schon zappenduster. Verstärkung hat sich angekündigt. Da Markus aber kurzfristig einhüten muss und Henrik nicht am Ort ist, starten wir wieder in der Dreierformation. Los geht’s!
Rein in den Düngel, vorbei an den Lamas, über die Oste und hopp über die Bahn. Richtig gehoppelt wird sogleich auf der fantastischen Piste im Metzmoor, dem Buchweizendamm, an die sich eine kurze Kletterei im Großen Holz anschließt. – Einmal kurz durchatmen! – Wir lassen die alte Jugendherberge links liegen und starten auf dem Brümmerhofer Mühlenweg durch ins Seensmoor. In Brümmerhof rollen wir flugs über die Bade um erneut über eine tolle Piste ins Hemelsmoor zu verschwinden. Am Torfwerk queren wir die Gleise folgen bei kurzzeitig ausgefallenem Navi einfach der Nase bis Winkeldorf. Trotz kurzzeitiger Verwirrung ist auch der lange Stich in den Linnewedel gefunden, dem wir bis kurz vor Vorwerk folgen zum südlichsten Punkt folgen, um dann scharf auf die lange Gerade nach Altenbülstedt zu wechseln. Entgegen unserer Erwartung werden wir zwischen Mühlenbach und Wörpe von frischen Asphaltpisten überrascht, die den Beinen etwas Entspannung bescheren. Auf der Hauptstraße können wir die Wörpe queren und gehen danach gleich wieder ins Gelände , um auch den Westertimker Bach in Richtung Ummel zu queren. Die lange, breite Forsttrasse in Richtung Breddorf verlassen wir im Herzen des Ummels und zielen nun in einem langen Bogen auf Wennebostel zu. Der Harvester hat hier mächtige Bäume niedergelegt, die wir dann auch gleich für eine kleine Fotorast auszunutzen wissen.

Nach dem Erreichen von Wennebostel machen wir in Ostereistedt sogleich eine Kehre und cruisen zurück an den Südzipfel des Ummel. Von hier aus hoppeln wir auf die Badenstedter Ziegelei zu und zweigen kurz vorher wieder ab in Richtung Ostereistedt. Von Schohöfen geht es dann nochmals schwungvoll weiter über die kleine Holzbrücke vom Hollenbek und dann direkt auf die Wassermühle an der Bade zu. Kurz vor derBademühle aber geht es aber wieder in den Wald und der weiche Sand auf der Steigung nach Godensteht wird nochmals zu einer Herausforderung. Talwärts rollen wir dagegen auf glattem Asphalt an die Oste, queren sie und folgen direkt ihrem Zulauf Twiste. Eindrucksvoll durchqueren wir das Rundgewölbe im alten, hohen Bahndamm und verlassen den Bach an den Teichen, bevor er auf die Bundesstraße ist stößt. Einmal noch knebeln wir uns durch den losen Sand und ruckeln dann auf dem Hauptweg in Richtung Bundestraße. Doch kurz vorher schwenken wir am BW-Klärwerk ab und zischen bei den Hallen quer durch die Hecke, durch den tiefen Graben über die Bundesstraße direkt in Richtung Schießplatz. Knallfrei um fahren wir diesen und gelangen sodann auf der maroden Holzbrücke über die Twiste zurück an den Start, unserem Ziel.
Wir waren heute 17 Kilometer weniger unterwegs und haben nur drei statt vier Stunden gekurbelt. Von Erschöpfung also überhaupt keine Spur.

#3 Huvenhoopsmoor, 74 km, 6. November 2019

Pünktlich um 18.00 Uhr wieder die drei Night-Gravel-Piloten am Start. Die heutige Tour beginnt genau so, wie die der letzten Woche endete. Doch nach dem Queren der Twiste tangieren wir den Truppenübungsplatz weiter und gelangen abseits der Bundesstraße nach Seedorf. Nicht mit Neuem aus, sondern quer durch den Uhlenbusch graveln wir nach Grandstedt. Beim Einfahren in das Moor vertun wir uns zunächst ein, zwei Mal zwischen den vielen Pfaden, aber kommen schließlich wieder auf den richtigen Weg. Entlang der Oste werden die Pfade deutlich feuchter und an einer der üppingen Schlingen des Flusses ist im hoch gewachsenen Gras nicht so wirklich ein Wegverlauf zu erkennen und die Dunkelheit macht dies nicht unbedingt einfacher. Irgendwie sind wir auf einen Irrweg gelangt, dem wir aber mit etwas Mühe wieder über die sumpfigen Wiesen entrinnen können. Kaum haben wir wieder unseren Track und damit den richtigen Weg erreicht, stoßen wir auch gleich an die Alte Ostebrücke. Einladend wirkt es nicht unbedingt, dass über den teils fehlenden, Geländern und Planken rotweißes Flatterband und Schilder hängen: „Brücke gesperrt – Der Samtgemeindebürgermeister“.

Schon im Winter 2017/18 war die kleine Ostebrücke bei Granstedt arg angeschlagen

Links der Oste ziehen wir nun weiter auf einem fantastischen, schmalen Pfad, der zwar teils wellig ist, aber uns letztendlich sicher über eine solide kleine Holzbrücke aus dem nassen Teil des Moores herausführt. Danach rollen wir auf festeren landwirtschaftlichen Wegen voran bis zur Burganlage von Altenburg, die aber leider im dunkeln liegt. Egal, weiter geht es jetzt nochmals über die Oste – „Uups!, Was ist das?“ Da wo an dem inzwischen breiter gewachsenem Fluss die Ostebrücke Altenburg sein sollte, passieren wir drei Lübecker Kegel und dann liegen dort nur mehrere verschraubte Eichenbalken. Es gibt weder Planken noch ein Geländer. Wir nehmen unseren Mut zusammen und dank unserer Helmleuchten können wir sogar sehen, wo wir vorsichtig samt Rädern über die rutschigen Balken schreiten oder schliddern. – „Puuh, geschafft!“
Zurück auf einer asphaltierten Straße sind wir. Es ist Zeit für eine vier Kilometer lange Tempoeinlage, auf der wir Sandbostel durchfahren und nach Minstedt gelangen. An der Minstedter Schmiede verlassen wir die Hauptstraße und gelangen in die Faldmark. Aber anstelle der erwarteten Schotterpisten finden wir noch über den Tempelberg hinaus zwei weitere Kilometer lang frisch asphaltierte Straßen vor. Erst als wir, um nicht an die Umgehungsstraße zu stoßen, auf einen parallel verlaufenden Weg einbiegen, finden wir eine Schotterpiste vor. Die Freude währt jedoch nicht lang, denn nach sechshundert Metern ist der Weg komplett verschwunden, genauer gesagt, ist im weiteren Verlauf alles umgepflügt. Selbst nach dem Abbiegen in die Gemarkung Bremervörde setzt sich diese Erscheinung fort, alles umgepflügt.
Über eine schmale grüne Spur gelangen wir zu Ende wieder an die Umgehungsstraße und flüchten dort sogleich auf den abgesetzten, aber blödsinnig hakeligen Radweg. Dieser führt uns auch direkt auf eine große Schotterpiste, die uns durch den Landesforst Vorwerk und über die Bahn führt. Mit einem kleinem Schlenker ziehen wir über die imposante Fahrradbrücke und vorbei am Bremervörder Kreishaus und dem Bachmannmuseum zur Rettungswache. Die merkwürdige Absperrung am Rathausmarkt können dank unserer Wendigkeit umgehen und nutzen die gute Ausleuchtung an der St.-Liborius-Kirche für ein Foto zu unserer heutigen Tour und eine kleine Atempause.

Fotostopp in der Neuen Straße von Bremervörde

Natürlich kommen wir jetzt nicht umhin einen kleinen Abstecher an den Vörder See zu fahren, auch wenn die Erwartung nicht groß ist, dass der Tretbootverleih noch geöffnet haben könnte.
Wir verlassen die Stadt entlang der Südseite vom Oereler Kanal über den Alten Kirchweg und den Kanaldamm auf scheinbar endlosen Schotterpisten. Über den Dörbecksdamm rollen wir auf den Sunderbeeksweg in eine endlos weite und freie Pläne, aus der einzig eine Ansammlung von Windkraftanlagen überdimensional heraussticht. So will der triste Sunderbeeksweg in dieser finsternsten, weiten Dunkelheit kein Ende finden. Aber irgendwann schließt er dann in Fahrendorf ab, von wo aus wir auf der Straße nach Mintenburg rollen. Wir reisen weiter durch die Felder, erreichen die Gedenkstätte des ehemaligen Stammlager X B Sandbostel und halten kurz inne.
Auf einem schmalen Feldweg steuern wir kurz vor Heinrichsdorf wieder auf die Straße zu und biegen sodann im Ort in den Mühlendamm ein. Was zunächst noch solide ist, wird bald grün und weich und ganz plötzlich, erst im aller letzten Augenblick erkennbar, durch eine dünne, rote Elektrozaundraht-Litze abgesperrt. – „Wir lassen uns doch nicht von solch einem kleinen Draht aufhalten!“ – Viel mehr als der Draht wirkt jedoch der Weg, der eigentlich gar kein Weg ist, sondern der Rand einer riesengroßen Wiese ist, die immer weicher und sumpfiger wird. Mit der Kassette allein ist das nicht auszugleichen, da müssen auch die kleinen Kettenblätter eingesetzt werden . Und dennoch, immer wieder bleiben wir auf dieser Modderwiese in tiefen Wasserrillen stehen, aus denen wir die Räder zurück aufs letzte Grün heben, um dann wieder zu versinken. Die Beine werden langsam schwer und dieser Mühlendamm will nicht enden. Vor dem Wald ein kurzes Aufatmen, der Untergrund wird wieder fester. Doch der Schwenk führt uns erneut in nassen Wiesengrund. Hier kann man vielleicht gut fahren, wenn es wie in letzten Sommer knalltrocken ist, aber jetzt ist das eine Tortour. Der Schenkel am Waldrand entlang verheißt jedoch bald eine Ende der Qualen, denn dort ist in der Ferne Licht zu erkennen, da muss ein Haus sein, also auch eine Straße. Mühselig kneten wir die Kurbeln unserer Rösser durch den weichen Wiesengrund. Das Licht kommt näher und näher und plötzlich sind wir auf einem schmalen festen Pfad aus Rindenmulch angekommen. Mit nahezu schwebender Leichtigkeit manövrieren wir diesen schmalen Pfad entlang und gelangen an einen Aussichtsturm, der bei Tageslicht einen beeindruckenden Ausblick auf das Naturschutzgebiet Huvenhoopsmoor und die dort rastenden Kraniche und andere Vogelarten bieten mag. Nach Treppensteigen ist niemandem zu Mute und so mühen wir uns lieber dem verwinkelten, schmalen Pfad folgend an die asphaltierte Straße in Augustendorf zu pedalieren.
Zurück auf der Straße rollen wir endlich in einem spürbarem Tempo voran und zwar in Richtung Glinstedt. Nahezu 1,5 Kilometer sind wir gerollt, als wir unmittelbar vor Forstort Anfang in „Hinterm Seeholz“ auf Gravelpfade einbiegen, die uns auch an Glinstedt vorbei führen. Wir stoßen mittig an die Straße nach Rhade und folgen ihrem abgesetztem Radweg bis zum LKW-Rastplatz in der lang gestreckten Kurve. Hier geht es nochmals auf einen Wirtschaftsweg, der uns nach Ostrhade abkürzen lässt. Mit den schweren Beinen wirkt die Straße bis Rockstedt mindestens dreimal länger als sonst. Im Genuss der Ebene schlängeln wir uns am ehemaligen Tanklager Rockstedt entlang und legen auf dem letzten fetten Hügel nach Godenstedt nochmals mit letzter Kraft die kette ganz nach rechts und können dann auf der Abfahrt zur Oste so richtig kräftig durchatmen. Für den folgenden Anstieg in Richtung Kaserne sammeln wir unsere letzten Körner, rollen auf dem Schotter entspannt an die Bundesstraße und wärmen unsere Sinne auf den letzten paar hundert Metern Radweg mit wohligen Gedanken an den gleich folgenden heißen Kaffee!

#4 Im Wohlerster Busch, 79 km, 13. November 2019

Es ist Mittwoch, 18.00 Uhr, drei Mountainbikes sind am Start. Na zumindest sind schon zwei Reiter im Sattel: Frank und auch Markus, der heute Daniel ersetzen will. Derweil sehe ich ganz schnell zu, dass ich in die Jacke komme, denn mein Ross wartet auch schon vor dem Tor.
Wir ziehen wieder flott los und werden Sekunden später vom starken Verkehr auf der B71 erst einmal länger aufgehalten. Endlich entsteht eine größere Lücke, die ein Queren ermöglicht und dann es ab in den Düngel, immer der Nase nach. Überraschend liegt ein umgestürzter Baum quer über dem Weg und beim Übersteigen begrüßen uns dann in der Dunkelheit sogleich ein paar mehr als knöcheltiefe Wasserlöcher. – Das fängt ja gut an! – Und es geht auch weiter so, denn am Rande des Waldes verliert sich der Weg unter schier endlosen Massen von Buchenlaub, das mich zu Fall bring, aber mir mit einer Rolle vorwärts eine ganz weiche und trockene Landung beschert.
Wieder auf und raus aus dem Wald. Wir finden über den Ackerrand nach hundert Metern zurück auf den verschwunden geglaubten Weg und gelangen so an die Kreisstraße. Dieser folgen wir bis zum Ende des Gehölz hinter den großen Teichen. Dort geht es hinaus, zunächst auf weichen und danach auf festerem Weg ins Zentrum von Vierenhöfen. Über das „Echtbein“ gelangen wir an Meinstedt vorbei auf den Moorweg. Frank berichtet mit etwas Stolz, dass er mit seinem Tacho in wenigen Kilometern die Zehntausendermarke diesen Jahres überschreiten wird. Doch kaum biegen wir in Richtung Boitzen ab, da führt eine Lunke dazu, dass sich der Tacho beim Umstellen der Anzeige ablöst, hinunterfällt und in der Dunkelheit verschwindet. So sehr Frank sich auch mit seiner Helmlampe um den Tacho müht, er ist im fleckigen Grau des Schlackeweges nicht aufzufinden. Somit muss die Suche also vertagt werden und wir gehen zurück auf Kurs.
Kurz nach dem Erreichen der Kreisstraße nach Wense verlassen wir diese in der nächsten Kurve gleich wieder, um auf dem Stadt-Napoleonsweg zu folgen. Nur für eine kleine Schlaufe um die Ottendorfer Angelteiche herum verlassen wir den Stadt-Napoleonsweg. Wir trennen uns danach aber ganz von ihm, um von Kohlenhaus aus auf die Twiste zu zu steuern. Über eine Windparkpiste gelangen wir auf einen schmalen Pfad, an dem uns eine urige Rasthütte zu einer kleinen, entspannenden Fotopause einlädt.

Rasthütte auf dem Weg nach Winderswohlde

Das Wetter ist weit milder und trockener als erwartet und so ist die Motivation der Graveler einfach hochgradig einzustufen. Auf dem schmalen Pfad gelangen wir weiter in das Zentrum von Winderswohlde und verlassen es geradewegs in Richtung Wohlerst. Doch einen Kilometer vor dem Ort verlassen wir die Winderswohlder Autobahn und stürzen uns auf eine anspruchsvolle Huckelpiste durch den Wohlerster Busch, die wahrlich so einiges an Kräften zehrt. Nach Querung der soliden Auebrücke nehmen wir den kleine Bogen über die Oersdorfer Mühle und steigen dann von der Zufahrt zum Wieh sogleich wieder auf eine gegenläufige Piste in Richtung Wohlerst ein. Auf halber Strecke erfahren wir, dass nicht nur die kleinen Oste-Brücken im Kreis Rotenburg (Wümme) schlecht erhalten werden, sondern auch die Wanderbrücken der (Lühe-)Aue im Landkreis Stade:“Gesperrt„. Die größte Behinderung an dieser Brücke rufen indes die dusseligen, großen Absperrschilder hervor, die auch ein getragenes Mitführen eines Fahrrads zu einem riesigen Problem machen. Auf dem gegenüberliegenden Ufer wird dann im Licht der Scheinwerfer deutlich, dass hier schon länger niemand mehr mit dem Fahrrad entlang gekommen ist. Alles ist eine große, nasse Wiese und ein Fahrweg ist nicht mehr auszumachen. Auch ist der kartierte Weg entlang einer Baumreihe nicht auszumachen und wir folgen ab dort einem Pfad, der uns durch ein Gehölz in den Ort führt. Wir queren die Hauptstraße und gelangen am Friedhof entlang zum Windpark. Von dort kehren wir wiederum über eine anspruchsvolle Huckelpiste unter der Stromtrasse zurück an den Wohlerster Ortsausgang, queren nochmals die Hauptstraße und fahren nun in entgegengesetzter Richtung auf der Winderswohlder Autobahn in den Wohlerster Busch. Doch wir verlassen diese sogleich wieder über eine Schotterpiste, die uns gen Reith führen soll. Nachdem wir kurz vor dem Ort den Asphalt erreicht haben, biegen wir scharf ein in eine Huckelpiste, die uns wieder in den Busch führt.

Ab durch die Hecke!

Ein nach ca. einem Kilometer zu erwartende Bogen nach rechts bleibt jedoch aus, denn es ist auch nach weiteren fünfhundert Metern und nachlassender Befahrbarkeit der Piste keine Querung der Hecke zu erkennen. Also kehren wir um und entdecken etwa zweihundert Meter vor der kartierten Abbiegung eine vermeintliche Feldeinfahrt durch die Hecke. Erst beim Einfahren können wir erkennen, dass diese Querung auf eine Parallele zur anderen Seite der Hecke führt. Diese liefert dann auch die zu erwartende Abbiegung und führt uns danach über eine richtig weiche Knüppelpiste zurück in Richtung Reith.

Auch in Farven verschwinden Wege unter dem Pflug

Am ersten Haus aus Richtung Farven schwenken wir sodann auch erst links und dann rechts ein auf den bekannten Pfad zur Badeanstalt. Unser Versuch, diesen hinter dem Ambruchgraben auf dem Weg zur Kreisstraße zu verlassen, verläuft nach kurzer Zeit im Acker, denn hier war der Pflug wohl wieder etwas zu breit. Während Frank und ich uns noch durchkneten, bleibt Markus mangels Grip im Mutterboden stecken und kann wegen verklebter Pedale auch nicht wieder aufsitzen. Mühevoll watet er durch die Pampe und kann erst auf der Straße Pedale und Schuhe vom klebrigen Modder befreien.

Da wir beim Warten die Richtung aus den Augen verloren haben, begehen wir die nachfolgende Kontrollfahrt um Farven und den Stüh herum nicht entgegen dem Uhrzeigersinn, sondern mit ihm entlang dem Ambruchgraben. Als das Navi uns nach dieser Schlaufe erneut in diesen von der Hecke überwucherten Asphaltweg leiten will, können wir dies noch früh genug erkennen. Wir wenden und steuern nun über die Kreisstraße nach Fehrenbruch. Dort geht auf den Fehrenbrucher Kamp und dann krachen wir quer auf Grafel zu. In Anderlingen setzt Frank, dem der Schlafentzug arge Probleme bereitet, sich ab und radelt direkt heim. Natürlich kann er es aber nicht unterlassen, nochmals die Suche nach seinem Tacho aufzunehmen.
Gemeinsam rollen Markus und ich über den Tannenkamp auf den Hembecker Weg, der uns entlang der Twiste zur kleinen Brücke mit Blick auf die Lichter von Viehbrock führt. Die beidseitige, große Beschilderung „Radfahrer absteigen“ hat hier ganz sicher der Nartumer Hafenverein installiert, damit es keinesfalls zu einer Beeinträchtigung des Schiffsverkehrs durch Fahrradscheinwerfer kommen kann. Abweichend vom Blick führen Weg und anschließende Straße uns jedoch direkt auf Wense zu. Über den Bruchweg schließen wir an die Schmiedestraße und radeln gerne wieder einmal durch den nun frisch geschnittenen Knickbogen auf dem Schulstieg. Durch den Bohnsterhoop queren wir in Richtung Offenser Weg nochmals den Kreuzkamp und finden dabei eine weitere Gelegenheit für ein heutiges Kontrollfoto.

Kontrollfoto um 21.34 Uhr

Von den Stimmbeckteichen cruisen wir entlang der Oste auf Heidjers Ruh, rollen über die lange Ostebrücke, entlang dem Mehdeweg über die Mehde und in Brauel nochmals auf dem Osteweg über die Oste und wieder um die Lamas herum. Zuletzt nochmals über den durchweichten Düngelpfad ins Ziel.

„Da ist er!“ Bei der Suche nach seinem Jubiläums-Tacho war Frank im Anschluss an die Tour doch noch erfolgreich

Frank hat freudig ein Foto von seinem wiedergefundenen Tacho geschickt, während wir nun genussvoll den Zielkaffee schlürfen können. Markus ist zwar etwas erschöpfter als sonst, aber ist sich ganz sicher, dass er in der nächsten Woche wieder zum 7-Night-Gravel starten will.

#5 Karlshöfen Airport, 70 km, 20. November 2019

Es ist Mittwoch, es ist 18.00 Uhr, es ist zappenduster und vier Mountainbikes sind am Start. Den Garmin eingeklickt, die Helmlampe an und los, ab in den Düngel. Der Garmin kommt nicht in Schwung, hat sich aufgehängt. Nochmals ausschalten und wieder einschalten.
Der Boden ist deutlich weicher, wenig Grip, gestern war Dauerregen. Egal, da müssen wir durch, die Strecke ist heute auch ein wenig kürzer. Rechts rum, den Garmin nochmals aus und wieder an. Über den kleinen Wall am Schlagbaum vorbei – oh, da sind grüne Dinerkästen für die Fallschirmjäger aufgetischt, – wir rollen hinaus auf die Landesstraße und kneten einmal rund um die Lamaweide. Über die Ostebrücke, vorbei am Campingplatz, nochmals den Garmin aus und an, über die Bahn und über den Moordamm direkt ins Große Holz. Vom Oldendorfer Sportplatz straight an der Oak-Ranch vorbei, an der Wassermühle über die Bade und auf Ostereiststedt zu. An der Galeriebank unter der alten Eiche eine kleines Stück in Richtung „Hanni-Hase-Land“ und dann im Zickzack nach Rhadereistedt. Am ehemaligen Gasthof von Rhadereistedt vorbei hinunter ins Feld gerollt, wieder auf die Landesstraße zu und dort bis hinter die Kurve hochgeklettert. Der Weg, auf den wir hier abzweigen, ist wieder einer von denen, wo Frank die Frage stellt, „was heißt eigenlicht Gravel? Das heißt bestimmt sumpfiger, matschiger Weg!“

Da wir die Hauptstraße in Richtung Breddorf meiden wollen, schwenken wir auf einen Weg um, der uns auf Schotter am Hanstedter Mühlengraben entlang führt. Von dort schlängeln wir uns immer ein wenig nördlich vom Langen Jammer bis an den westlichen Ortsrand von Ostersode und auf die Neue Straße von Nordsode zu. Bevor hier noch Asphalt auftaucht, wenden wir uns ab und rollen über den Stelljesdamm weiter an die Landesstraße heran. Gleich am ersten Grundstück drehen wir parallel zur Landesstraße in Richtung Karlshöfen ab. „Was für ein Abenteuer! Wann ist hier denn zuletzt jemand entlang gefahren?“ Auf den ersten fünfhundert Metern ist das noch ein Grasweg, aber dann finden sich nur zwei tiefe Rillen, in denen hohes Heu auf dem Halm steht. „Hier ist seit dem Sommer keiner mehr hindurch gefahren oder gewandert. Werden wir hier überhaupt irgendwo ankommen?“ Einhundert Meter weiter stellt sich die Frage dann nochmals, denn die Spurrillen hören abrupt auf. „Vor uns beginnt die verbotene Buschsteppe? Nein, nicht ganz, zehn Meter zuvor ging es auch rechts ab, oder?“ Wir finden die Querrille und können ihr auf einen Versprung des Weges folgen. Dieser seit langer Zeit unberührte Weg führt uns geradewegs durch durch Heide und Buschsteppe und der Zahnkranz füllt sich immer weiter mit Heu. Nach weiteren gut sechshundert Metern tut sich ein Lichtblick auf. Da sind Gebäude mit Beleuchtung und da quert auch ein Auto. „Ok!, Wir sind wieder in der Zivilisation angekommen!“

Wir queren die kleine Straße (die wir hinterher als Zufahrt zum Flugplatz ausmachen können) und fahren nun über einen etwas weicheren Pfad weiter, über den wir den Hanstedter Weg erreichen. Das meiste Heu hat zwischenzeitlich die Schaltkassette wieder verlassen und so können wir auf dieser Schotterpiste endlich wieder Tempo aufnehmen. Nach der Biogasanlage am Glinstedter Moorlandsweg verlassen wir die Schotterpiste jedoch wieder und kurbeln nun entlang dem Glinstedt-Ostersoder-Umlaufgraben erneut geschmeidig auf den langen Jammer zu. Nicht fehlen darf die ernbeute Frage von Frank: „Was heißt eigenlicht noch Gravel? Das heißt doch bestimmt sumpfiger, matschiger Weg!“ Dabei registrieren wir natürlich in keinster Weise, dass wir hier das Ende der Start-Landebahn vom Elbe-Weser-Airport tangieren.

Kurz vor dem Langen Jammer stoßen wir entlang dem Hanstedter Mühlengraben wieder auf unseren Track. Nach etwa neunhundert Metern schwenken wir dann allerdings in einigen Schlaufen Richtung ab in Richtung Rhade und in einigen weiteren Schlaufen herum nach Ostrhade. Von dort kurbeln wir einen Zizackkurs in Richtung Nordost, der uns zur Ostebrücke nahe dem Peesbarg führt. Die Kräfte sind langsam am Ende und so kann es nicht verwundern, dass man infolge Unachtsamkeit auf dem weichen Boden ins Rutschen kommt und sich lang legt. Gut, wenn man dann weich fällt. Dann muss man eben eben ein paarmal tief durchatmen und schon geht es weiter. „Weiter, ja, nur wo geht es denn denn lang? Man ist das hier dunkel!“ Der erste Irrweg führt auf eine Wiese, der zweite ins Dickicht , aber dann findet sich ein schmaler Pfad, der uns idyllisch entlang der Oste führt. – „Oder besser gesagt, der uns idyllisch entlang der Oste führen würde, wenn wir denn etwas von der Landschaft sehen könnten.“ – So erreichen wir nun eine Bank, die uns als äußerst geeignet für eine Fotorast erscheint. Mangels Stativ stellt sich das Unterfangen jedoch etwas schwierig dar. Wir finden einen maroden Zaunpfahl, den wir nach ein wenig Bearbeitung heranziehen können. Nun brauchen wir hier im finsteren Tal auch noch etwas Licht, das uns die zwei Helmleuchten liefern sollen, die wir auf weiteren Pfählen drapieren.

Verwegene Radler beim imaginären Ausblick auf die Oste bei Granstedt

Nahezu gut erholt steigen wir wieder in die Pedale und folgen dem Weg weiter. Das erweist sich jedoch etwas schwierig, denn hier am Peesbarg hat das Buchenlaub die Wege gut verhüllt. Wir lassen uns jedoch nicht mehr abschrecken und gelangen zielstrebig nach Granstedt. Dort hoppen wir einmal kurz über die Dorfstraße und verschwinden sogleich in den Uhlenbusch. Wir schottern geradewegs auf Seedorf zu und queren ohne einen geplanten Exkurs über den für Philosophenweg direkt zum Truppenübungsplatz. Eben noch schnell über Wiese und über die kleine Twiste-Brücke in den Düngel cruisen und „STOPP! WAS IST DAS?“ Glücklicherweise erkennen wir rechtzeitig das Funkeln von kleinen Reflexstreifen an einigen S-Drahtrollen, die die Fallschirmjäger auf dem Waldboden ausgelegt haben. Da machen wir lieber einen kleinen Bogen und kurbeln dann weiter auf der huckeligen Waldpiste ins nahe Ziel.

#6 Über die Twiste, 38 km, 27. November 2019

Heute leider nur eine Kurzausgabe vom 7-Night-Gravel. Sie führt uns ungeplant und improvisiert über Haaßel ins Selsinger Zentrum und von dort über Anderlingen zur kleinen Twiste-Brücke nach Wense.

Wilde Reiter an der Twistebrücke zwischen Anderlingen und Wense

Wiederum geht es heute durch die „Hohle Gasse“ ins Bohnster Holz und dann über den Meistedter Denkmalweg in Offensen über die Oste und von dort ins Ziel.

#7 Trabrennbahn Appel, 73 km, 4. Dezember 2019

Ob das „Geläuf“ der Trabrennbahn Appel nun 800 oder 1200 Meter lang ist, erscheint uns doch eher nebensächlich. Die üppigen Quoten von Bahrenfeld oder Ascot werden hier sicher auch nicht zu Buche schlagen, aber wir sind bislang ohnehin nicht bei ebenen Rundenrennen zu Hause, sondern schätzen eher eine Cross-Parcours. In der radsportlichen Alternative zum hier beheimateten Pferde-Polo haben wir uns bislang aber auch nicht versuchen mögen, weder Radpolo noch Bikepolo.

Wir sind der Radler drei am Start. Es ist 18.00 Uhr, zappenduster und recht frisch. Auf geht es, die Bundesstraße 71 kann frei gequert werden und so ziehen wir ab in den Düngel. Der Boden ist recht weich und allein daher wird die heutige Tour wohl etwas anspruchsvoller werden. Wir treten entlang dem bekannten Trail zur Twiste-Brücke und rollen am Rand des Truppenübungsplatzes ein kurzes Stück entgegen der Uhr. Dann erreichen wir die Einfahrt zur Weide, auf der wir im Scheinwerferlicht die nachfolgende Twistebrücke entdecken können. Wir treten durch das hohe Gras, hoppen über die dicken, stumpfen Kanten auf die Brücke und ziehen hinein in das hohe Gras der nassen Wiese unseren gegenläufigen Spuren vom letzten Sonntag folgend voran. Am Ende nassen Wiese steigen wir auf Höhe der Knalltütenhütte die Böschung hinauf und rollen an den Tannen entlang zum alten Angelteich. Vorsichtig passieren wir die kleine, geländerfreie Holzbrücke vom Teichüberlauf und schlängeln uns am Teichufer entlang über die Baumwurzeln der eng gesetzten, kleinen Bäume. Auf halber Entfernung führt unser schmaler Pfad dann quer durch den Wald an die Landesstraße. Wir queren sie geradewegs Richtung in Meinstedt, aber zweigen nach kurzer Zeit wieder ab auf den verwinkelten Weg nach Offensen. Straight über die Kreisstraße schlängeln wir uns direkt an die Oste und folgen dem flussnahem Verlauf des idyllischen Wanderpfades in Richtung Heeslingen. Das Befahren des beliebten Pfades wird seit eniger Zeit leider durch den baulichen Eingriff eines Anwohner gestört, der ein Passieren an einer steilen Kante der Uferböschung zu einer Gefahr macht. Über den Gerhard-Holsten-Gedächtnis-Kreisel rollen wir nun vor der HANSA-Administration in den Park, queren die kleine Ostebrücke und folgen dem bereits mühevoll von Zweigen und Laub befreitenten Nikolaus-Laufpfad zum Jahn-Stadion. Von dort schottern wir über den verlängerten Burgsteg direkt nach Adiek. Als der große Hund uns bemerkt, sind wir bereits hinreichend entschwunden und pedallieren über den Grasweg weiter nach Weertzen. Wir queren die Landesstraße direkt, rollen am Freyersener Friedhof vorbei und fahren nun wieder auf Asphalt parallel zur Oste, bis wir sie in Richtung Kuhmühlen queren können. Direkt nach der Querung führt uns ein schmaler Pfad auf Groß Meckelsen zu, den wir jedoch für eine weiche Zickzack-Exkursion durch den Wald über den Heideweg verlassen. Auf einer groben Schotterpiste steuern wir auf eine kleinere Brücke zu, die uns das Queren der Autobahn A1 schon tausend Meter früher als auf der Hauptstraße erlaubt. Wir gelangen im Bogen zum Wanderpfand entlang dem Golfplatz und steuern am Sittensener Friedhof entlang und weiter am Ortsrand bis nach Tiste. Bereits vor der Oste nschwenken wir am Sportplatz vorbei durch den Wald nach Burgsittensen. Etwas Verwirrung entsteht, als wir hinter der Kurve der Hauptstraße nicht die richtige Einfahrt zum Moordamm ausmachen können. Zunächst landen wir auf dem Moorbahnhof und suchen dann aber über einen Trampelpfad eine Querung zu einer Parallelen, die der Garmin anzeigt. Diese erreichen wir dann sicher, doch leider entpuppt sich diese als Zugang zum abgeschotteten Rundweg zum Kranichturm. Daher kehren wir nochmals zurück an die Hauptstraße und können dort die richtige Einfahrt finden.

Ebenso finden wir nach fünfzig Metern schon einen komplett durchweichten Moorweg vor, den offensichtlich ein Harvester kräftig durchgeknetet hat. Während zunächst an den Rändern oder in der Mitte noch einige teils festere Grasnarben verblieben sind, stellt sich auch dies nach etwa einem Kilometer ein. Es ist die reinste Pampe, in der wir hier gelandet sind und der Crosser ist mit seinen schmalen Reifen alles andere als eine gute Wahl für diesen Weg. Immer wieder versinken die Räder in den tiefen Furchen und müssen wieder herausgehoben und auf vermeintlich festeren Grund geschoben werden. Leider lässt sich das im schwachen Licht der Helmleuchten nicht einwandfrei erkennen und so versinken die Räder bald wieder teils knietief, während sich über dem Tretlager ein schweres Matsch- und Lehmpaket auftürmt, das die Ausmaße eines E-Bike-Akkus längst weit übersteigt. Verwegen wie wir sind, werden wir nicht aufgegeben. Hier ist der Track und hier schleppen wir uns durch. Nach unendlich anmutenden, weiteren eineinhalb Kilometern haben wir eine Abzweigung erreicht, die uns auf einen Weg mit kräftigem Grasbewuchs führt, der lediglich eine geringe Einsinktiefe bereithält. Als wir nach einem weiteren Kilometer eine Schotterpiste erreichen, scheint dies Erlösung zu bereiten. So ganz langsam fällt einiges von der fetten Modderlast vom Rad, auch wenn Kassette und Schaltwerk durch eingekautes langen Gras noch in der Funktion gehemmt sind und die Kette mehr krächzt als gleitet. Es geht wieder voran und zu unserer Überraschung stoßen wir auch wieder auf Asphalt, der uns bis nach Appel führt.


Zu später Stunde im Dezember ist auch nicht so richtig viel los auf den Straßen von Appel

Aber selbst das uns hindert uns nicht, dass wir in Richtung Helvesiek die Straße verlassen und noch einen Exkurs ans Drögenholz wagen. In Helvesiek schlängeln wir uns durch das Neubaugebiet in die Wiesen vor Scheeßel und ziehen dann über Neuenfelde und den Sotheler Wischhoff nach Alpershausen. Auf der Brücke über die Autobahn A1 wähnen wir uns fast am Ziel, aber es soll noch einen kleinen Bogen auf Volkensen hinzu geben den wir jedoch auf Höhe des Rastplatzes Hatzte abbrechen, um auch heute noch ein Tourfoto zu erstellen.

Fotostopp Höhe A1-Rastplatz Hatzte

Während Daniel sich nun dem Asphalt folgend absetzen will, ziehen Frank und ich wieder auf Geländewege, die uns direkt nach Nindorf führen. Just als wir geradewegs in die Rüspeler Lindenstraße einfahren, kommt Daniel auf Volkensen daher. Gemeinsam kurbeln wir mit (meinen) letzten Kräften auf dem Asphalt über Frankenbostel nach Aspe, in die Industriestraße. Als wir auf den Waldpfad zum Brakeweg einschwenken wollen, verabschiedet Daniel sich nun doch mit den besten Wünschen für eine erholsame Nacht. So geht es zu zweit weiter und dort, wo der Asphalt anfängt, da biegen wir wieder ab ins Gelände. Ab ins Herrenholz und um das Regenwasserrückhaltebecken „In den Wiesen“ herum in Richtung Veranstaltungsgelände. Nun einen schönen Bogen um den Ahesportplatz und das zukünftige Jugendzentrum und dann quer hinüber in die Ahe, dort ein paar Schlaufen um die Teiche, am Naturbad vorbei, über den feinen Wald-Trial vor Offensen, über die Mehde-Brücke und über die Oste-Brücke zum Braueler Friedhof. Noch ein „Hallo-Jungs!“-Bogen um die Lama-Weide herum und dann durch den Düngel ins Ziel gematscht.

Wenn die Kette krächzst, dann kann es einen Grund dafür geben