7-Night-Gravel – #1 to #4

Rennrad-Training unter der Woche stand zuletzt am 26. September auf dem Programm, denn es wird Abend für Abend immer früher dunkel. So findet das regelmäßige Training danach nur noch sonntags statt. Mit der Umstellung der Uhr auf die Winterzeit am 27.Oktober wird es dann mit einem Schlag gleich eine ganze Stunde früher dunkel. Dies ist in Zeven dann auch der offizielle Beginn der Geländesaison.

Aber jetzt kommt Licht ans Rad und zwar ans Geländerad. Das ist nun „richtiges Licht“, das dem Crosser oder dem Mountain Biker mit mindestens 60 Lux die Wege erhellt. Für Geländetouren in einer Hügellandschaft, in den Mittel- und Hochgebirgen ist das nix, aber in unserer recht flachen Region kann man damit prima klar kommen. Das Fahren verändert sich allerdings deutlich, denn eine großartige Wahrnehmung der Landschaft und den Blick an den Horizont, das gibt es nicht mehr. Die Augen fokussieren konzentriert den Weg und seine Beschaffenheit. Mit der Veränderung des Lichts geht auch eine völlig andere Einschätzung von Spurweiten, Kurvenbögen, Abständen und ganz besonders von gefahrenen oder noch zu fahrenden Streckenlängen einher. Wenn eine Runde tagsüber schon häufig gefahren wurde, bei der ersten Runde im dunkeln sieht das ganz anders aus. Wenn auch jeder für sich, sei es unter einem klaren Sternenhimmel oder mit dem richtigen Licht eine Geländerunde im dunkeln getreten sein mag, so wird er feststellen müssen, dass das Fahren in der Gruppe im dunkeln im Gelände noch einmal ganz anders ist.

#1 Ronolulu, 86 km, 23. Oktober 2019

Frank hat heute Mittag das Startzeichen gegeben: „Heute Abend Fahrradlampen testen!? Um 18.00Uhr Crosser oder MTB Tour! Wer ist dabei?“
Na klar,keine Frage, ich bin dabei: „Gute Idee!“

Fünf vor Sechs kommt Frank an den Start. Noch ist es richtig hell. Das Wetter ist ausgesprochen mild. Es ist mehr Spätsommer als Mitte Herbst. Hinein in die Pedale und hinein in den Düngel, auf in Richtung Twiste. Doch plötzlich schellt mein Telefon. Es ist Daniel. Er will uns begleiten und so fahren wir ihm auf kürzestem Wege entgegen. Gemeinsam fahren wir nun Links der Oste an den Track von Gravel-7 und wir fahren das Ende nun einmal wirklich so, wie es geplant war und tun das auch ohne einen Plattfuß. Wir sind heute es was flotter unterwegs, aber wir sind uns einig: Besonders das letzte Stück zum Hof hätte den Hamburger Jungs sicher richtig gut gefallen. Wir sind inzwischen gut warm geworden und streifen deshalb die Armlinge oder eine Regenjacke ab. Ziel unserer heutigen Tour soll der Bahnhof Rotenburg sein. Wir wollen für die lüttjen Hamburger Jungs und Deerns abgespeckte Gravel-Routen nach Zeven erkunden.
In Gyhum war es eben noch hell, aber Hesedorf verlassen wir nun in völliger Dunkelheit. Nach Querung der scheinbar endlosen Domäne Luhe erreichen wir Rotenburg und fertigen sogleich ein Etappen-Foto, um einmal kurz Luft holen zu können.

Nachfolgend tun wir uns bei der Ansteuerung des Bahnhofs etwas quer, aber wir kriegen auch das hin, ohne die Bundesstraße überqueren zu müssen. Die Retour verläuft zunächst etwas weiter westlich und bringt uns dann etwas ausschweifend durch das Hemelsmoor zurück auf den Ursprung und an den Start.
Das war ein gelungener Auftakt: Vier Stunden ge-gravelt, 86 Kilometer gekurbelt und dreifach Radspaß! Auf den letzten zwei Kilometern war Frank fix und alle, aber Dank sofortiger Kaffeegabe und Bananenhäppchen kommt er gleich wieder auf die Beine: „Das müssen wir nächste Woche nochmal machen!“

#2 Linnewedel und Ummel, 69 km, 29. Oktober 2019

Vor zwei Tagen wurde die Uhr umgestellt und so ist es um 18.00 Uhr schon zappenduster. Verstärkung hat sich angekündigt. Da Markus aber kurzfristig einhüten muss und Henrik nicht am Ort ist, starten wir wieder in der Dreierformation. Los geht’s!
Rein in den Düngel, vorbei an den Lamas, über die Oste und hopp über die Bahn. Richtig gehoppelt wird sogleich auf der fantastischen Piste im Metzmoor, dem Buchweizendamm, an die sich eine kurze Kletterei im Großen Holz anschließt. – Einmal kurz durchatmen! – Wir lassen die alte Jugendherberge links liegen und starten auf dem Brümmerhofer Mühlenweg durch ins Seensmoor. In Brümmerhof rollen wir flugs über die Bade um erneut über eine tolle Piste ins Hemelsmoor zu verschwinden. Am Torfwerk queren wir die Gleise folgen bei kurzzeitig ausgefallenem Navi einfach der Nase bis Winkeldorf. Trotz kurzzeitiger Verwirrung ist auch der lange Stich in den Linnewedel gefunden, dem wir bis kurz vor Vorwerk folgen zum südlichsten Punkt folgen, um dann scharf auf die lange Gerade nach Altenbülstedt zu wechseln. Entgegen unserer Erwartung werden wir zwischen Mühlenbach und Wörpe von frischen Asphaltpisten überrascht, die den Beinen etwas Entspannung bescheren. Auf der Hauptstraße können wir die Wörpe queren und gehen danach gleich wieder ins Gelände , um auch den Westertimker Bach in Richtung Ummel zu queren. Die lange, breite Forsttrasse in Richtung Breddorf verlassen wir im Herzen des Ummels und zielen nun in einem langen Bogen auf Wennebostel zu. Der Harvester hat hier mächtige Bäume niedergelegt, die wir dann auch gleich für eine kleine Fotorast auszunutzen wissen.

Nach dem Erreichen von Wennebostel machen wir in Ostereistedt sogleich eine Kehre und cruisen zurück an den Südzipfel des Ummel. Von hier aus hoppeln wir auf die Badenstedter Ziegelei zu und zweigen kurz vorher wieder ab in Richtung Ostereistedt. Von Schohöfen geht es dann nochmals schwungvoll weiter über die kleine Holzbrücke vom Hollenbek und dann direkt auf die Wassermühle an der Bade zu. Kurz vor derBademühle aber geht es aber wieder in den Wald und der weiche Sand auf der Steigung nach Godensteht wird nochmals zu einer Herausforderung. Talwärts rollen wir dagegen auf glattem Asphalt an die Oste, queren sie und folgen direkt ihrem Zulauf Twiste. Eindrucksvoll durchqueren wir das Rundgewölbe im alten, hohen Bahndamm und verlassen den Bach an den Teichen, bevor er auf die Bundesstraße ist stößt. Einmal noch knebeln wir uns durch den losen Sand und ruckeln dann auf dem Hauptweg in Richtung Bundestraße. Doch kurz vorher schwenken wir am BW-Klärwerk ab und zischen bei den Hallen quer durch die Hecke, durch den tiefen Graben über die Bundesstraße direkt in Richtung Schießplatz. Knallfrei um fahren wir diesen und gelangen sodann auf der maroden Holzbrücke über die Twiste zurück an den Start, unserem Ziel.
Wir waren heute 17 Kilometer weniger unterwegs und haben nur drei statt vier Stunden gekurbelt. Von Erschöpfung also überhaupt keine Spur.

#3 Huvenhoopsmoor, 74 km, 6. November 2019

Pünktlich um 18.00 Uhr wieder die drei Night-Gravel-Piloten am Start. Die heutige Tour beginnt genau so, wie die der letzten Woche endete. Doch nach dem Queren der Twiste tangieren wir den Truppenübungsplatz weiter und gelangen abseits der Bundesstraße nach Seedorf. Nicht mit Neuem aus, sondern quer durch den Uhlenbusch graveln wir nach Grandstedt. Beim Einfahren in das Moor vertun wir uns zunächst ein, zwei Mal zwischen den vielen Pfaden, aber kommen schließlich wieder auf den richtigen Weg. Entlang der Oste werden die Pfade deutlich feuchter und an einer der üppingen Schlingen des Flusses ist im hoch gewachsenen Gras nicht so wirklich ein Wegverlauf zu erkennen und die Dunkelheit macht dies nicht unbedingt einfacher. Irgendwie sind wir auf einen Irrweg gelangt, dem wir aber mit etwas Mühe wieder über die sumpfigen Wiesen entrinnen können. Kaum haben wir wieder unseren Track und damit den richtigen Weg erreicht, stoßen wir auch gleich an die Alte Ostebrücke. Einladend wirkt es nicht unbedingt, dass über den teils fehlenden, Geländern und Planken rotweißes Flatterband und Schilder hängen: „Brücke gesperrt – Der Samtgemeindebürgermeister“.

Die Alte Ostebrücke Granstedt war schon nach dem Winter 2017/18 stark angeschlagen

Links der Oste ziehen wir nun weiter auf einem fantastischen, schmalen Pfad, der zwar teils wellig ist, aber uns letztendlich sicher über eine solide kleine Holzbrücke aus dem nassen Teil des Moores herausführt. Danach rollen wir auf festeren landwirtschaftlichen Wegen voran bis zur Burganlage von Altenburg, die aber leider im dunkeln liegt. Egal, weiter geht es jetzt nochmals über die Oste – „Uups!, Was ist das?“ Da wo an dem inzwischen breiter gewachsenem Fluss die Ostebrücke Altenburg sein sollte, passieren wir drei Lübecker Kegel und dann liegen dort nur mehrere verschraubte Eichenbalken. Es gibt weder Planken noch ein Geländer. Wir nehmen unseren Mut zusammen und dank unserer Helmleuchten können wir sogar sehen, wo wir vorsichtig samt Rädern über die rutschigen Balken schreiten oder schliddern. – „Puuh, geschafft!“
Zurück auf einer asphaltierten Straße sind wir. Es ist Zeit für eine vier Kilometer lange Tempoeinlage, auf der wir Sandbostel durchfahren und nach Minstedt gelangen. An der Minstedter Schmiede verlassen wir die Hauptstraße und gelangen in die Faldmark. Aber anstelle der erwarteten Schotterpisten finden wir noch über den Tempelberg hinaus zwei weitere Kilometer lang frisch asphaltierte Straßen vor. Erst als wir, um nicht an die Umgehungsstraße zu stoßen, auf einen parallel verlaufenden Weg einbiegen, finden wir eine Schotterpiste vor. Die Freude währt jedoch nicht lang, denn nach sechshundert Metern ist der Weg komplett verschwunden, genauer gesagt, ist im weiteren Verlauf alles umgepflügt. Selbst nach dem Abbiegen in die Gemarkung Bremervörde setzt sich diese Erscheinung fort, alles umgepflügt.
Über eine schmale grüne Spur gelangen wir zu Ende wieder an die Umgehungsstraße und flüchten dort sogleich auf den abgesetzten, aber blödsinnig hakeligen Radweg. Dieser führt uns auch direkt auf eine große Schotterpiste, die uns durch den Landesforst Vorwerk und über die Bahn führt. Mit einem kleinem Schlenker ziehen wir über die imposante Fahrradbrücke und vorbei am Bremervörder Kreishaus und dem Bachmannmuseum zur Rettungswache. Die merkwürdige Absperrung am Rathausmarkt können dank unserer Wendigkeit umgehen und nutzen die gute Ausleuchtung an der St.-Liborius-Kirche für ein Foto zu unserer heutigen Tour und eine kleine Atempause.

Tour-#3-Fotorast an der Neuen Straße in Bremervörde

Natürlich kommen wir jetzt nicht umhin einen kleinen Abstecher an den Vörder See zu fahren, auch wenn die Erwartung nicht groß ist, dass der Tretbootverleih noch geöffnet haben könnte.
Wir verlassen die Stadt entlang der Südseite vom Oereler Kanal über den Alten Kirchweg und den Kanaldamm auf scheinbar endlosen Schotterpisten. Über den Dörbecksdamm rollen wir auf den Sunderbeeksweg in eine endlos weite und freie Pläne, aus der einzig eine Ansammlung von Windkraftanlagen überdimensional heraussticht. So will der triste Sunderbeeksweg in dieser finsternsten, weiten Dunkelheit kein Ende finden. Aber irgendwann schließt er dann in Fahrendorf ab, von wo aus wir auf der Straße nach Mintenburg rollen. Wir reisen weiter durch die Felder, erreichen die Gedenkstätte des ehemaligen Stammlager X B Sandbostel und halten kurz inne.
Auf einem schmalen Feldweg steuern wir kurz vor Heinrichsdorf wieder auf die Straße zu und biegen sodann im Ort in den Mühlendamm ein. Was zunächst noch solide ist, wird bald grün und weich und ganz plötzlich, erst im aller letzten Augenblick erkennbar, durch eine dünne, rote Elektrozaundraht-Litze abgesperrt. – „Wir lassen uns doch nicht von solch einem kleinen Draht aufhalten!“ – Viel mehr als der Draht wirkt jedoch der Weg, der eigentlich gar kein Weg ist, sondern der Rand einer riesengroßen Wiese ist, die immer weicher und sumpfiger wird. Mit der Kassette allein ist das nicht auszugleichen, da müssen auch die kleinen Kettenblätter eingesetzt werden . Und dennoch, immer wieder bleiben wir auf dieser Modderwiese in tiefen Wasserrillen stehen, aus denen wir die Räder zurück aufs letzte Grün heben, um dann wieder zu versinken. Die Beine werden langsam schwer und dieser Mühlendamm will nicht enden. Vor dem Wald ein kurzes Aufatmen, der Untergrund wird wieder fester. Doch der Schwenk führt uns erneut in nassen Wiesengrund. Hier kann man vielleicht gut fahren, wenn es wie in letzten Sommer knalltrocken ist, aber jetzt ist das eine Tortour. Der Schenkel am Waldrand entlang verheißt jedoch bald eine Ende der Qualen, denn dort ist in der Ferne Licht zu erkennen, da muss ein Haus sein, also auch eine Straße. Mühselig kneten wir die Kurbeln unserer Rösser durch den weichen Wiesengrund. Das Licht kommt näher und näher und plötzlich sind wir auf einem schmalen festen Pfad aus Rindenmulch angekommen. Mit nahezu schwebender Leichtigkeit manövrieren wir diesen schmalen Pfad entlang und gelangen an einen Aussichtsturm, der bei Tageslicht einen beeindruckenden Ausblick auf das Naturschutzgebiet Huvenhoopsmoor und die dort rastenden Kraniche und andere Vogelarten bieten mag. Nach Treppensteigen ist niemandem zu Mute und so mühen wir uns lieber dem verwinkelten, schmalen Pfad folgend an die asphaltierte Straße in Augustendorf zu pedalieren.
Zurück auf der Straße rollen wir endlich in einem spürbarem Tempo voran und zwar in Richtung Glinstedt. Nahezu 1,5 Kilometer sind wir gerollt, als wir unmittelbar vor Forstort Anfang in „Hinterm Seeholz“ auf Gravelpfade einbiegen, die uns auch an Glinstedt vorbei führen. Wir stoßen mittig an die Straße nach Rhade und folgen ihrem abgesetztem Radweg bis zum LKW-Rastplatz in der lang gestreckten Kurve. Hier geht es nochmals auf einen Wirtschaftsweg, der uns nach Ostrhade abkürzen lässt. Mit den schweren Beinen wirkt die Straße bis Rockstedt mindestens dreimal länger als sonst. Im Genuss der Ebene schlängeln wir uns am ehemaligen Tanklager Rockstedt entlang und legen auf dem letzten fetten Hügel nach Godenstedt nochmals mit letzter Kraft die kette ganz nach rechts und können dann auf der Abfahrt zur Oste so richtig kräftig durchatmen. Für den folgenden Anstieg in Richtung Kaserne sammeln wir unsere letzten Körner, rollen auf dem Schotter entspannt an die Bundesstraße und wärmen unsere Sinne auf den letzten paar hundert Metern Radweg mit wohligen Gedanken an den gleich folgenden heißen Kaffee!

#4 Im Wohlerster Busch, 75 km, 12. November 29. Oktober2019

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