Audaxclub Schleswig-Holstein, Einzelzeitfahren / Teamzeitfahren Hamburg-Berlin, 14. Oktober 2017, 280 km

Schönes Wetter hatte der Oktober bisher nicht im Programm. Also war der Regen das, was uns erwarten sollte. Uns, das war wieder ein kleines Team der Hansa-Piloten: Acht Beine, vier Kurbeln und sechs Laufräder. Doch dann kam plötzlich alles anders. Nur wenige Tage vor dem Start war Robert plötzlich raus. Damit sind wir sind nun drei Piloten, fahren alle solo und werden durchweg als ein Team unterwegs sein. Unsere Startzeit ist 6.39 Uhr. Anders ist in Hamburg auch die Startlokalität. – „Wie werde ich das wilde Gewusel beim Langen vom Altengammer Fährhaus vermissen.“ – Der neue Startort am Vierländer Landhaus verlängert die Strecke um winzige fünf Kilometer, aber man ist ja ein Gewohnheitsmensch, besonders dann, wenn es morgens noch ganz, ganz früh ist. Hier muss man sich erst einmal orientieren, ja und die Organisation hat sich auch geändert. Da gibt es bereits ein reichhaltiges Frühstücksbuffet, doch zuerst folgen ALLE dem Aufruf zum Empfang der Startunterlagen und ALLE stehen in einer langen Warteschlange. Uups, da rutsch der große Folienstapel mit den Startnummern vom Tisch herunter, hinunter auf den Fussboden und eine riesengroße Sortiererei geht los. Dank vieler fleißiger Hände kehrt doch recht bald wieder eine Ordnung ein. So, nun habe ich endlich auch die Startunterlagen für unser Team in Händen und kann dann auch endlich mein Rad holen. Die Zeit ist inzwischen  arg fortgeschritten und wir müssen auch noch ganz fix unser Gepäck aufgeben. So, auch das wäre geschafft, doch mit dem Frühstück wird das nun nix mehr, unsere Startzeit ist bereits aufgerufen. Einzel-Scan, Gruppen-Scan und ab, los geht’s! – „Burkhard!, wo müssen wir denn nun lang?“ Antwort: „Das bleibt sich gleich. Ihr könnt den Bogen zum Fährhaus rechts- oder linksrum fahren!“ Wir fahren linksrum und, „und dann? Links oder geradeaus?“

 

   

Wir fahren Geradeaus und dann ohne irgendwelche Begleiter in einem schönen großen Bogen zum Fährhaus. „Jo, we are back on track!“ und nun kann es los gehen bzw. so richtig los rollen. Noch im dunkeln biegen wir links ein auf die Zufahrt zur B404 und überfahren so die Elbschleuse von Geesthacht. Danach geht es gleich wieder hinunter von der B404 um dem Strom aufwärts in Richtung Osten zu folgen. Es ist trocken und der Wind bläst uns angenehm aus Richtung West-Südwest voran. In 2009 war uns hier schon das erste Regenwasser in den linken Schuh gespritzt und gelaufen, am einen Hosenbein hinauf gekrochen, am andern wieder hinunter gelaufen, in den rechten Schuh hinein und von dort dann übergelaufen. Heute besteht die Aussicht auf prächtiges Wetter und dazu weht auch noch nahezu ein Rückenwind, welch eine Wonne!

So sind die ersten paar Kilometer auch fix getreten und auch über die Hügelchen vor Hitzacker rollen wir, als wenn das garnix wär‘. Mit genau einhundert Zählern erreichen wir die Kontrollstelle bei der Elbbrücke von Dömitz und haben uns damit schon einmal ’nen Kaffee verdient. Bis hierher hat es einfach prima geklappt und das Wetter macht mächtig Laune. Ganz in Ruhe füllen wir unsere Wasserflaschen wieder auf und dann geht es wieder auf die Strecke. Je weiter wir in den Osten kommen, desto deutlicher sind die Spuren vom heftigen Sturm in der letzten Woche zu erkennen. Die Zahl der umgestürzten Bäume ist teils erschreckend hoch und in einigen Dörfern sind ganze Alleen kräftiger, hoher Bäume zerstört worden und haben damit auch das Ortsbild heftig verändert. Die Fahrbahnen wurden überall von den umgestürzten Bäumen befreit, die in großen Zahl noch in den Seitenräumen abgelegt sind. Wir treten weiter, es geht vorbei an Wittenberge und bei Havelberg trennen wir und endgültig vom Lauf der Elbe.

Kurz darauf treffen wir auf die erste von mehreren vollständigen Ortsdurchfahrtsbaustellen, an denen wir unsere Räder schiebend oder tragend voran bringen.

 

So haben wir dann auch bald die nächsten einhundert Kilometer abgestrampelt und erreichen voller Erwartung den traditionell frequentierten Supermarkt in Rhinow. Endlich gibt es wieder Kaffee. – Doch was ist das? Voller Entsetzen müssen wir feststellen, dass der kleine Bäckerladen aus dem Markt verschwunden ist. Wir erfahren auch, dass die Kaffeeversorgung am Ende der Stadt versiegt ist, weil die Tankstelle geschlossen wurde. Tja, da bleibt nur kalter Kaffee mit viel Zucker und dazu gibt’s ne Tüte salziger Chips.

Das Meiste haben wir nun geschafft, da ist der kleine Rest von 80 Kilometern auch noch problemlos machbar. Na dann mal los: Läuft!

 

Unser Track führt uns weiter über Friesack, entlang der schönen Fahrradstraße bei Paulienenaue und weiter bis Nauen. Da kann man die Hauptstadt wirklich schon riechen. Wir hoppen dann mal über die Autobahn, über die Heerstraße (B5) und ratzfatz sind wir da! Erstmal einen Schnappschuss vorm Wannsee und dann das verdiente Bier: „Wow!“

Entspannt genießen wir die Berliner Abendsonne und erleben das Eintreffen der scheinbar endlosen Reihe von Fahrern, die nach und nach am Wassersportheim eintreffen. Solch ein großartiges Wetter war dieser Veranstaltung  es zuletzt vor neu Jahren beschert worden.

Prost Jungs, das haben wir gut gemacht!

Tiefenentspannt satteln wir nach dem Schwinden der direkten Sonneneistrahlung unsere Räder. Die schlappen sechseinhalb Kilometer bis zum Hotel sind jetzt selbst mit dem Gepäck kaum eine Last, „wir könnten  doch eigentlich gleich zurück radeln!“ – Aber wir haben die Hotelzimmer nun einmal gebucht und der Italiener in Spandau soll verdammt gut sein!

<< HHB2016