Zeitfahren Hamburg-Berlin, Audaxclub Schleswig-Holstein, 13. Oktober 2012, 271 km

Hamburg-Berlin vom Audaxclub Schleswig-Holstein stand wieder für Mitte Oktober auf dem Programm. In den ersten zwölf Tagen des Monats hatte es junge Hunde geregnet und die Zahl der Radler auf den Straßen war nur noch verschwindend gering. Pünktlich zu diesem Abschlussevent der Straßensaison kehrt zur Freude aller Teilnehmer sogar die Sonne zurück. An diesem 13. Oktober erlaube ich mir für den frühen Start in Altengamme, 06.53 Uhr, auch in Hinblick auf die Trägheit meines Gefährts, motorisiert anzureisen. Ich finde meinen Parkplatz außergewöhnlich nah am Fährhaus und kann dann auch sofort den Robert auspacken. Als ich den kleinen Renner über die Straße schiebe, um ihn dort im Licht der Laternen klar zu machen, werde ich herzlich von Britta begrüßt, die ihren Jan sogleich mit den Paulis auf die Reise schicken will.

Beim Frühstück treffe ich auf Uwe und Anneke sowie viele andere bekannte Gesichter. Schnell ein paar kernige Brötchen und vier Tassen Kaffee genascht und schon gehe ich mit Helle an den Start. Doch erst noch eine kleine Proberunde, ob die Sitzposition nach über vier Monaten immer noch konform ist. Doch das ist so okay und schon winkt Hans Hermann uns hinaus auf die Strecke. Wir sind nicht einmal 15 Minuten früher dran als im letzten Jahr und queren die Elbe bei Geesthacht noch in der Finsternis. Wie war das im letzten Jahr ein herrlicher Ausblick im Sonnenaufgang den eisigen Nebel des Stroms. Mangels regelmäßigem Training bewegt sich der Robert  nicht ganz so flott entlang der Elbe und wenn wir uns nicht zwischendurch im Track vertüdelt hätten, dann wäre es noch besser gelaufen. Dabei laufen wir in Hitzacker zur Höchstform auf: Den mit Heiko vor zwei Jahren aufgestellten Rekord für Kniepenberg downhill stellen wir nun mit glorreichen 76,8 km/h in den Schatten. Die weiteren Hügel nehmen wir ebenso mit sattem Schwung, der uns erst verlässt, als wir nur wenige Kilometer vor Dömitz auf dem Deich durch eine Lunke voller Schafsköttel brettern und einer davon dann doch ein Flintstein ist, der uns einen bösen Platten beschert. Der Vorsprung ist dahin und alle sausen an uns vorbei. Wir erreichen die Kontrolle leicht verspätet, nehmen schnell Flüssigkeit auf, Gruß an Jan, die dicken Handschuhe abgelegt und schon geht es wieder auf die Strecke. Der Wind ist inzwischen heftiger geworden. Er kommt aus Süd und damit fast immer von der Seite. Unser Windvorteil in dieser Situation zum Nachteil gediehen, denn wir bieten ihm mit der Seite ein vortreffliches Bremssegel. Als wir Stunden später Den Wannsee erreichen, werden wir bereits von Uwe und Aneke begrüßt. Heiko, heißt es, sei heute außergewöhnlich flott unterwegs gewesen und sei bereits mit seiner Family wieder aufgebrochen. Wir gönnen uns indes eine leckere Gemüsesuppe und nun ein richtiges Bier.

Im Zuge geselliger Plaudereien trifft dann auch Jan in Begleitung von zwei weiteren Pauli-Piraten ein, und es ist immer noch hell. Nach vielen gescheiterten Versuchen ist nun ebenfalls erstmals im Hellen Björn Welskop mit seinem Ollanner Radteam eingetroffen. Er sieht zwar so aus, als hätte er sein Fahrrad lange Zeit auf dem Kopf getragen, aber ist sich sicher, dass das nur ein Zeichen von Unterhopfung ist. Inzwischen ist auch unsere Tandemkonkurrenz mit einer Stunde Rückstand eingetroffen, die Dunkelheit schleicht langsam heran und auch Morten ist an die Berliner Badewanne herangerollt, ohne seinen Flaschenhalter aus dem Vorderrohr herauszureißen. So steuern wir zur nächtlichen Ruh auf da olympische Bade zu. Leider ist das Nachlager nonfeudal und die Ruhe wird durch eine mitten in der Nacht aufbrechendende Schar von Kindern stundenlang gestört.

 Noch ein wenig müde brechen wir aber auf und nehmen unseren ersten Kaffee und leckere Brötchen beim RSV Spandau. Die letzte RTF im Norden ist es, der wir uns nun zweiten Mal  stellen. Der Start erfolgt nicht im Pulk, sondern so, wie es jeder eben mag. Die Helfer an den Versorgungspunkten ausgesprochen freundlich und auch unser Tretspiel kommt heute wieder zu dem Gleichklang, der ihm im letzten Jahr soviel Pfeffer beschert hatte. Nach den flotten 120 Kilometern RTF-Saisonausklang lassen wir uns noch ein wenig mit den anderen Radlern nieder und verkosten leckeren Apfel- und Zwetschgenkuchen.

Kurz ist unser Weg zum Bahnhof Spandau und toll das Zusammentreffen mit drei weiteren HHB-Fahrern zur optimalen Ausnutzung des Wochenendtickets, zwei Pauli-Jungs, von denen einer ebenfalls zur RTF war, und der Steuermann von zweiten Tandem. Nach Umstieg in Schwerin und endloser, erfrischender Radlerplauderei erreichen wir Hamburg-Bergedorf und schließen das Radsportwochenende nach dem Ritt zum Altengammer Hauptdeich mit einem Dunklen beim Langen im Fährhaus.

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